HENN – Der Nespresso für die Autoindustrie

Henn-Chef Martin Ohneberg: „Wir verkaufen unsere Maschinen so wie Nespresso,
und unsere Steckteile sind die Kapseln dazu“ / Bild: WB/Elke Mayr

Wirtschaftsblatt – Autozulieferer Henn ist in seiner Nische Weltmarktführer. Der Dornbirner ALC-Champion produziert Verbindungselemente für Ladeluftsysteme. Verkauft werden auch Spezialmaschinen, um die Steckverbindungen mit Schläuchen zu verpressen – augenzwinkernd ähnlich dem Nespresso-System.

Henn. What else.” Es ist vielleicht ein weit hergeholter Vergleich, erklärt aber auf den Punkt, was die kleine Henn GmbH & Co KG im ­Autobusiness so erfolgreich gegenüber dem Mitbewerb macht: Henn produziert Steckverbindungen für Ladeluftsysteme. Diese Kupplungen werden dann vor Ort durch eigens entwickelte ­Verpressmaschienen mit dem Schlauch fixiert. Bei Österreichs bedeutendstem Business-Wettbewerb, Austria’s Leading Companies, wurde das Unternehmen am Montag in der Kategorie Goldener Mittelbau (10 bis 50 Millionen Euro Umsatz) zum Vorarlberger Landessieger gekürt.

„Wir verkaufen unsere Maschinen so wie Nespresso, und unsere Steckteile sind die Kapseln dazu”, sagt Henn-Chef Martin Ohneberg. „Verfahren und die Verpress­maschinen machen auch den Unterschied zum Mitbewerb aus.” Bereits rund 200 solcher Maschinen stehen weltweit dort im Einsatz, wo die Autoindustrie ist. Jedes Jahr werden es 15 bis 20 Verpressmaschinen mehr, die Henn verkauft. Dadurch steigert sich automatisch auch der Output an Steckverbindungen. Heuer sollen 29 Millionen Steckverbindungen abgesetzt werden. „Wir sind in dieser Nische Ladeluftbereich mit unseren Steckverbindungen Weltmarktführer”. Zu finden sind die Henn-Kupplungen in praktisch allen deutschen Automarken, auch bei GM, Chrysler, Renault und den vier großen chinesischen Autobauern sei man gut unterwegs. „An Hyundai, Toyota und PSA sind wir dran.”

140 Patente

In den Kupplungen steckt enorm viel Know-how. „Das Produkt schaut zwar easy aus, ist aber ein Hightech-Produkt”, betont Ohneberg. Jährlich gibt er fünf Prozent des Umsatzes für F&E aus. „Wir haben 140 Patente”, sagt Ohneberg, „und wir sind Qualitäts- und Preisführer.”

Große Ziele

Im März 2011 hat Ohneberg Henn übernommen – mit hohen Schulden, 25 Mitarbeitern und 19 Millionen € Umsatz. Heute hat Henn 44 Mitarbeiter und steuert auf 34 Millionen € Umsatz zu. Das ist ein Plus zum Vorjahr von rund zwölf Prozent. Mit seinem top motivierten Team hat Ohneberg ein großes Ziel: Im Jahr 2016 mit 50 Mitarbeitern einen Umsatz von 50 Millionen € zu schaffen. „Mit den Steckverbindungen alleine schaffe ich das aber nicht.” Daher hat Henn neben der Ladeluft mit Verbindungen für Kühlwassersysteme ein zweites Standbein – und an einem dritten wird bereits getüftelt.

Das ist ALC

Austria’s Leading Companies (ALC) ist Österreichs bedeutendster Business-Wettbewerb; durchgeführt wird er von WirtschaftsBlatt, KSV­1870 und PwC Österreich. Ausgezeichnet werden nachhaltig erfolgreiche und finanziell stabile Unternehmen – objektiv und nachvollziehbar. Der ALC-Wettbewerb beurteilt die Leistungskraft ­eines Unternehmens in den vergangenen drei Jahren. Ermöglicht wird das durch ein umfassendes Kennzahlensystem, in das eine Vielzahl von Ertrags-, Rentabilitäts- und Liquiditätskennzahlen einfließt. Erforderlich war die Einreichung der Geschäftsberichte bzw. Jahresabschlüsse 2009 bis 2012.

Bonität wird ebenfalls bewertet: Das KSV-Rating fließt als eine maßgebliche Größe ein. Zum Thema „Nachhaltiges Wirtschaften“ konnten durch Beantworten der PwC-Nachhaltigkeitsumfrage Bonuspunkte erzielt werden. Erstmals konnte man auch zum Thema „Qualität & Sicherheit“ Bonuspunkte sammeln. Fazit: Am Ende der Rechnung kommt unter Einbeziehung aller Parameter eine Punktezahl heraus: Je weniger Punkte ein Unternehmen in der Summe der beurteilten Werte und Kennzahlen-Reihen aufweist, desto besser liegt das Unternehmen im Endergebnis. Die Teilnahme am ALC-Wettbewerb ist kostenlos. Alle Daten werden vertraulich behandelt.

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